Schritt für Schritt zum perfekten Rasen

Wenn du einen Rasen anlegen möchtest, sollest du vorab einige wichtige Fragen beantworten. Denn viele Fehler resultieren aus einer falschen Planung. In dem folgenden Ratgeber erkläre ich dir, worauf es bei der Saat ankommt und wie du Schritt für Schritt deinen Traum vom perfekten Rasen verwirklichst. Natürlich kannst du auch Roll- bzw. Fertigrasen verlegen. Vor- und Nachteile sowie Tipps dazu findest du ganz am Ende dieses Ratgebers.

Wie ist die Standortbeschaffenheit?

Der Standort ist zweifellos einer der zentralsten Faktoren. Hier geht es um die Frage: Wo möchte ich den Rasen anlegen? Liegt die Rasenfläche eher schattig oder sonnig? Wie sind die Bodenverhältnisse – lehmig, humos, steinig oder sandig?

Handelt es sich um eine Feucht- oder Trockenlage? Die Lichtverhältnisse sind besonders wichtig: Bei schattigen Lagen solltest du eine Saatgutmischung mit schattenverträglichen Gräsern (z. B. Poa supina) wählen. Prüfe deinen Boden unbedingt zuvor auf seine Zusammensetzung: Ein zu sandiger Boden bedeutet, dass er kein Wasser halten kann und der Rasen später sehr oft bewässert werden muss und im Sommer schnell vertrocknet. Ein zu lehmiger Boden bedeutet, dass der Boden sehr schwer ist und Wasser kaum versickern kann. Staunässe ist der Tod einer jeden Rasenfläche.

Grundsätzlich gilt: die Mischung macht’s! Der perfekte Boden für den Rasen sollte eine gute Mischung aus Sand, Lehm, Ton und Humus sein. So vereinen sich die positiven Eigenschaften aller Materialien.

  • Sand: sorgt für einen luftigen und lockeren Boden, der gut durchwurzelt werden kann
  • Lehm und Tonminerale: halten Wasser und Nährstoffe
  • Humusanteile: locken Kleinstlebewesen und Regenwürmer an, die jeder Rasen braucht

Fehlt eine Komponente in deinem Boden, solltest du sie hinzufügen. Die Menge richtet sich jedoch ganz nach der Standortbeschaffenheit und kann nicht pauschal festgelegt werden. In der Regel schadet es aber nie, Sand und Humus in Form von Kompost einzuarbeiten.

Wie möchtest du deinen Rasen nutzen?

Ebenfalls wichtig ist der Verwendungszweck. Möchtest du einen Rasen anlegen, der als Spielwiese für Kinder und Tiere dient? Soll er repräsentativ sein, sprich eine hochwertige Optik aufweisen? Wie viel Zeit hast du für die Pflege? Es gibt spezielles Saatgut für stark beanspruchte Flächen. Hier sind die Gräser so zusammengestellt, dass sie sehr robust sind und sich schnell wieder regenerieren können. Diese Gräser brauchen oft auch weniger Wasser (Sport- und Spielrasen wäre hier die Wahl). Möchtest du jedoch einen englischen Zierrasen haben, dann kommst du um eine regelmäßige Pflege nicht herum. Ziergräser mit hoher optischer Wirkung sind weniger resistent und müssen oft gedüngt und gewässert werden. Merke: Ein regelmäßiges Mähen mindestens einmal die Woche ist Pflicht. Auch hier wirst du das passende Produkt für deine Ansprüche finden. Achte beim Kauf auf namhafte Hersteller und schrecke nicht vor hohen Preisen zurück. Günstige Produkte sind oft Mogelpackungen, bei denen die Samen eine sehr niedrige Keimwahrscheinlichkeit haben. Auch werden in diesen Saatgutmischungen zumeist keine qualitativ hochwertigen Rasensorten zu finden sein. Nimm also lieber etwas mehr Geld in die Hand, dann kaufst du Qualität!

Anwalzen des Rasens
Anwalzen des Rasens
Feinplanum herstellen
Feinplanum herstellen

Rasen richtig anlegen: Wann säe ich aus?

Ausschlaggebend ist die Temperatur. Beginne mit der Aussaat bei Temperaturen ab 8 Grad aufwärts. Je wärmer es ist, desto schneller keimt der Rasen. Bei Temperaturen unter 8 Grad wird keine Keimung erfolgen. Es gibt auch Grassorten, die erst ab 10-12 Grad Bodentemperatur keimen. Der späteste Zeitpunkt für eine Saat sollte Ende Oktober sein. Bei späterer Saat wird kein zufriedenstellendes Ergebnis mehr auftreten. Wenn es sich vermeiden lässt, sollten auch die warmen Sommermonate ausgeschlossen werden, da hier nur mit einer überdurchschnittlichen Wasserversorgung ein geschlossener Rasen entstehen kann.

Hast du diese Fragen für dich beantwortet, dann hast du bereits die wichtigsten Schritte getätigt. Außerdem solltest du dir vorher noch überlegen, ob du eine Mähkante verlegen oder eine automatische Bewässerung haben möchtest. Diese Arbeitsschritte solltest du unbedingt vor den eigentlichen Rasenarbeiten erledigen. Ein späteres Nachrüsten wäre mit unvermeidlichen Schäden an deiner Rasenfläche verbunden.

Jetzt aber geht es an die Handarbeit.

1. Bodenvorbereitung

Entferne zunächst Unkraut, Steine und sonstigen Unrat von der Fläche. Füge jetzt gegebenenfalls fehlende Komponenten wie anfangs erwähnt hinzu (Sand, Humus, Kompost, Lehm etc.). Nun kannst du die Fläche mit einer Fräse ca. 10 cm tief lockern. Sind zuvor schwere Baumaschinen über den Boden gefahren oder gab es andere Einwirkungen, die zu einer Verdichtung in tieferen Schichten geführt haben, dann ist es zwingend notwendig, den Boden dort tiefgründig (40-50 cm) zu lockern. Machst du das nicht, wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit Probleme mit Staunässe bekommen.

Den gefrästen Boden kannst du nun einmal grob vorplanieren. Entferne dich ein paar Meter, dann erkennst du Hügel und Senken in der Fläche leichter. Hierfür benutzt du vorzugsweise eine Kunststoff-Harke mit möglichst langem Stiel, damit du dich nicht bücken musst. Sammle beim ersten Harken jeglichen Unrat und Steine ab 3-4 cm ab. Der Rasen wird es dir später danken! Es sollten nun keine größeren Unebenheiten mehr zu sehen sein. Dann kannst du die Fläche ein erstes Mal walzen. Das ist sehr wichtig, damit der Rasen später auch standfest ist, und du nicht mit jedem Schritt einsackst. Jetzt kannst du einen Rasen-Starterdünger gleichmäßig ausbringen. Ich empfehle dir einen organischen Dünger, der gleichzeitig auch noch das Bodenleben aktiviert. Der nächste Schritt ist das Herstellen des Feinplanums, was nichts anderes bedeutet als ein abermaliges Einebnen der gesamten Fläche, also der Feinschliff!  Auf diese Art und Weise arbeitest du gleichzeitig den Dünger ein. Jetzt sollten letzte Senken und Erhebungen entfernt sein. Zur Kontrolle kannst du Schnüre über die Flächen spannen (ca. 1 cm über dem Boden) und messen, ob der Abstand zwischen Schnur und Boden überall gleich ist. Abweichungen von 2 cm sind hierbei unbedenklich und später nicht sichtbar.

2. Saat

Säe nur aus, wenn es fast windstill ist! Ansonsten wächst der Rasen bald überall – nur nicht dort, wo du ihn eigentlich vorgesehen hast. Je nach Saatgutmischung bringt man ca. 20-30 g pro m² aus. Das entspricht ca. einer Handvoll Saatgut. Das beste Ergebnis erzielt man, wenn man einmal längs und einmal quer die Rasenfläche abstreut, jeweils mit der Hälfte der empfohlenen Menge. Alternativ kannst du im Baumarkt einen Streuwagen erwerben, was sich aber erst bei größeren Flächen rentiert. Wenn du das erledigt hast, harke das Saatbett nochmal kreuzweise ab. Achte darauf, dass der Rasensamen nicht zu tief ins Erdreich eingearbeitet wird. Gräser zählen zu den sogenannten Lichtkeimern, die ohne Lichteinwirkung nicht keimen werden. Gängige Praxis war es bisher, die Saat noch einmal anzuwalzen. Ich rate davon ab. Warum? Erstens, in von renommierten Rasenschulen durchgeführten Versuchen keimte und wuchs die Saat bei nicht angewalzten Rasenflächen deutlich schneller als bei angewalzten Flächen. Grund dafür ist, dass sich die Keimwurzeln viel einfacher in einer lockeren Oberfläche ausbreiten können. Auch ich kann diese Erkenntnisse durch verschiedenste Projekte bestätigen. Des Weiteren werden die Samen bei Regen nicht so schnell abgeschwemmt, da anfallendes Wasser besser versickern kann und die Oberfläche rauer ist.

Die weitere Rasenpflege: bewässern, mähen, schneiden

Am besten wässerst du noch am Tag der Ansaat. Das ist notwendig, damit das Saatgut quellen und schließlich keimen kann. Von nun an solltest du mindestens einmal am Tag wässern. Je nach Witterung keimt dein Rasen schon nach wenigen Tagen. Wenn die Temperaturen niedrig sind, kann es aber auch schon mal bis zu 4 Wochen dauern. Kein Grund zur Sorge! Das erste Mal Mähen solltest du bei einer Rasenhöhe von nicht weniger als 8 cm. Eine wichtige Regel ist, nie mehr als die Hälfte abzuschneiden. Achte insbesondere beim ersten Schnitt auf ein scharfes Messer, denn sonst werden die Halme ausgerupft. Es ist ganz normal, dass deine Rasenfläche jetzt noch keine geschlossene Optik hat. Das geschieht ganz von alleine durch häufiges Mähen. Sollten wider Erwarten dennoch größere Lücken sichtbar sein, solltest du sofort nach dem Schnitt Rasen nachsäen. Das ist der beste Zeitpunkt! Vergiss nicht, weiterhin zu wässern, bis der Rasen eine geschlossene Optik hat – dann beschattet er sich selbst und du musst nicht mehr so oft wässern. Mit dem Keimen der Saat werden auch Unkräuter auflaufen. Das ist ganz normal und kein Grund zur Panik, denn die meisten dieser Unkräuter vertragen keinen regelmäßigen Schnitt.

Roll- bzw. Fertigrasen

Möchtest du lieber Rollrasen verlegen? Kein Problem. Im Prinzip sind die Vorbereitungen genau dieselben wie bei der Saat. Die Vorteile bei der Verlegung von Fertigrasen liegen auf der Hand. Du hast sofort eine grüne Fläche, die du schon nach zwei bis drei Wochen uneingeschränkt nutzen kannst. Auch hast du weniger Probleme mit Unkraut. Außerdem kannst du Rollrasen fast das ganze Jahr über verlegen. Meiden solltest du nur Tage, an denen es friert oder eine Hitzewelle herrscht, denn dann verbrennt der Rasen, egal wie stark du ihn bewässerst. Ich  würde dir grundsätzlich von einer Verlegung im Sommer abraten, ganz einfach weil du dann zu viel Wasser verschwendest. Außerdem musst du mehr Geld in die Hand nehmen, denn Rollrasen ist viel teurer als Saatgut. Mache die Entscheidung auch von der Zugänglichkeit deines Grundstückes abhängig, denn du darfst nicht vergessen, dass eine Rolle Rasen über 12 kg wiegt. Wenn sie nass ist natürlich noch mehr!

Erstelle ein ordentliches Aufmaß deiner Rasenfläche. Da du etwas Verschnitt haben wirst, bestelle etwa 3 % mehr.

Die Verlegung

Achte an warmen Tagen darauf, dass der Rasen direkt nach der Anlieferung ein schattiges Plätzchen bekommt. Wenn es sehr heiß ist, solltest du die Rollen ab und an mit Wasser benetzen, damit sie nicht vertrocknen. Wo du anfängst, ist im Prinzip egal. Es macht immer Sinn, an einer geraden Kante anzulegen (Terrasse, Mähkante etc.). Wenn das bei dir nicht der Fall sein sollte, spanne einfach eine Schnur. Wenn du hinten im Garten anfängst, lege Bretter und Bohlen aus, damit du dir das Feinplanum nicht ruinierst. Du kannst mit der Verlegung aber auch im vorderen Bereich anfangen, dann solltest du jedoch auch hier Bretter auslegen, um den frisch verlegten Rasen zu schützen. Versetze die Reihen immer um mindestens 30 cm zueinander und verlege immer Stoß an Stoß ohne Fuge. Ab und an musst du die Rollen passend zuschneiden. Das geht mit einem Küchenmesser leicht von der Hand. Verwende die Schnittstücke wieder für die nächste Reihe. Die Schnittstücke sollten nicht kleiner als 25-30 cm sein. Wenn du fertig bist, walze die fertig verlegte Fläche mit der Rasenwalze an. Bewässere dann tiefgründig mit einem Rasensprenger. Bei großen Flächen solltest du das schon während der Verlegung machen.

Die Pflege des frisch verlegten Rasens

Fertigrasen muss zwingend mindestens einmal pro Tag bewässert werden. Im Sommer sogar zwei bis dreimal. Prüfe nach ein bis zwei Wochen ob dein Rasen angewachsen ist. Ein angewachsener Rollrasen lässt sich nicht mehr ohne Weiteres vom Boden abziehen. Dies ist je nach Witterung nach zwei bis vier Wochen der Fall. Dann kannst du die Bewässerung anpassen.

Das erste Mal Mähen kannst du ab einer Wuchshöhe von 6-8 cm. Achte auf ein scharfes Messer. Ich empfehle dir, die Rollrasenfläche nach sechs Wochen unmittelbar nach dem letzten Mal Mähen zu düngen (nicht bei Verlegungen spät im Jahr, dann braucht dein Rasen keine weiteren Nährstoffe). Mach das abends und wässere den Rasen im Anschluss, dann gibt es keine Verbrennungen und der Dünger beginnt sich aufzulösen und setzt somit die Nährstoffe frei.

Saatgut oder Rollrasen?

Aus ökologischer Sicht empfehle ich dir immer die Saat. Dass Rollrasen schön anzusehen ist, kommt nicht von ungefähr. Du wirst auch selten Unkraut in einer Rolle finden, denn die Rasenschulen behandeln ihre Flächen mit chemischen Pflanzenschutzmitteln. Für eine perfekte Optik, einen schnellen Wuchs und somit die schnelle Möglichkeit des Erntens wird der Rasen zudem mit Unmengen an Düngemitteln versorgt und ständig bewässert.

Und nun wünsche ich dir viel Spaß und Erfolg mit deinem Projekt!

Hat dir mein Ratgeber zum Thema „Rasen richtig anlegen“ gefallen? Ich freue mich über deine Fragen und Anregungen – nutze dazu gerne die Kommentarfunktion.

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