Kein hoffnungsloses Unterfangen

Direkt am Anfang möchte ich dir versichern, dass der Kampf gegen den Buchsbaumzünsler keineswegs vergebens ist. Lass dich nicht entmutigen. In Gartenforen oder in Gartengruppen lese ich häufig Sätze wie „Es gibt nichts was wirkt, wer was anderes sagt der lügt“. Und leider gibt es viele Menschen, die genau solchen Aussagen Glauben schenken und ihre geliebten, teils Jahrzehnte alten Buchsbäume entfernen. Auf der anderen Seite kann ich gut verstehen, warum Leute so etwas schreiben. Denn oft wird falsch beraten und es werden immer wieder neue „Wundermittel“ angepriesen, die eigentlich überhaupt nichts bringen. Dann entsteht natürlich große Enttäuschung und Frust, und der Kampf wird schließlich aufgegeben.

Wer den Buchsbaumzünsler biologisch bekämpfen will, und zwar auf eine effektive Art und Weise, muss ihn studieren und seine Lebensweise kennen. Das mache ich nun schon seit fast 5 Jahren. Das erlangte Wissen möchte ich im Folgenden mit dir teilen.

Die Besonderheiten des Buchsbaumzünslers

Zunächst ein paar Hintergrundinformationen zu dem Schädling. Der Falter ist ca. 4 cm groß und hat weiße Flügel, die am Rand breit braun gefärbt sind. Die Raupe wird bis zu 5 cm lang, ist dunkel- bis gelbgrün mit schwarzen und weißen Streifen und ist zudem schwarz gepunktet. Der Kopf ist glänzend schwarz. Zum Schutz besitzt der Zünsler kleine weiße Borsten. Es gibt Berichte, die belegen, dass der Falter schon seit 2006 in Deutschland ist. Beheimatet ist er in Ostasien. Es ist wahrscheinlich, dass der Buchsbaumzünsler mit importierter Baumschulware eingeschleppt wurde. Der Falter lebt nur bis zu 10 Tage. In dieser Zeit legt er seine Eier an den äußeren Blättern des Buchsbaumes ab. Bereits nach 3 Tagen können die ersten Raupen bei entsprechender Witterung schlüpfen. Daraufhin beginnt die Raupe für mehrere Wochen zu fressen, bis sie sich verpuppt und sich zum Falter entwickelt.

Der Buchsbaumzünsler entwickelt bis zu vier Generationen pro Jahr, von denen die letzte als Raupe im Strauchinneren überwintert. Dort wartet sie, bis die Temperaturen steigen. Ich konnte die ersten fraßaktiven Exemplare schon Mitte März, je nach Witterung, beobachten.

Schadbild

Der Schaden, der durch den Buchsbaumzünsler entsteht, ist kaum zu übersehen. Optisch sind bei einem leichten Befall nur Blätter oder Zweige angefressen. Bei einem schweren Befall ist der entsprechende Buchsbaum in kürzester Zeit komplett kahlgefressen, sodass nur noch die Zweige zu sehen sind.

Schritt 1: Raupe und Falter bekämpfen

Das Mittel der Wahl heißt Bacillus thuringiensis und ist völlig biologisch, da es sich um den natürlichen Feind der Raupe handelt: ein Bakterium. Im Handel trägt das Mittel den Namen Xentari. Das Bakterium wirkt toxisch auf den Zünsler. Hat das Bakterium die Raupe einmal befallen, stellt sie sofort den Fraß ein und stirbt bereits nach drei bis vier Tagen. Kontrolliere deine Buchsbäume ab Mitte März genauestens. Die Raupen sind sehr klein und nur schwer zu entdecken. Sobald du welche finden solltest, beginne mit der Behandlung, spätestens aber Ende März. Dazu benötigst du eine Gartenspritze. Xentari ist ein pulverförmiges Granulat, das in Wasser aufgelöst werden kann (1g Xentari auf 1 l Wasser). Mit der Spritzbrühe nebelst du dann alle deine Buchsbäume gründlich ein. Achte auch darauf, dass du die inneren Blätter behandelst, denn auch da frisst die Raupe. Schaue dir den Wetterbericht vorher an, denn es sollte mindestens 6 Stunden nach der Behandlung nicht regnen. Ohne dass du es weißt, hast du bereits den wichtigsten Schritt im Kampf gegen den Zünsler durchgeführt. Denn durch das Bekämpfen der ersten Generation dezimierst du natürlich alle Folgegenerationen.

Jetzt heißt es, weiterhin zu beobachten. Aus eigener Erfahrung empfehle ich dir, die Buchsbäume nun regelmäßig alle vier Wochen mit Bacillus thuriengiensis zu behandeln, ausgenommen Zeiten, in denen du keine einzige Raupe finden kannst. Ein weiteres biologisches Mittel, dass du auch problemlos mit Xentari gemischt auftragen kannst, ist Neemöl. Es wird aus den Samen des Niembaums gewonnen. Aus eigener Erfahrung kann ich dir Neemöl nur wärmstens empfehlen. Jedoch muss ich direkt mit einen Mythos aufräumen, denn oft wird behauptet, dass Neemöl die Raupe abtötet. Diese Aussage ist allerdings nicht richtig. Warum ist Neemöl sinnvoll? Das Öl wirkt fraßhemmend, in gewisser Weise verliert die Raupe also den Appetit. Der entscheidende Faktor bei Neemöl ist jedoch, dass es die Metamorphose der Larve zum Falter immens stört und sich dadurch ein großer Teil der Larven erst gar nicht zum Falter entwickelt, oder aber nicht lebensfähige Falter entstehen. Ein großer Vorteil von Neemöl ist auch, dass es über die Blätter aufgenommen wird und sich mit dem Saftstrom in der Pflanze verteilt. Es wirkt dann also auch von innen heraus für eine längere Zeit, ohne dass es über den Regen abgewaschen werden kann.

Nicht nur die Raupe lässt sich bekämpfen. Im Handel gibt es Pheromonfallen, die durch einen  Lockstoff den Falter anlocken. Diese Fallen dienen zum einen zur Eingrenzung der Falter, zum anderen geben sie nützliche Informationen über die Größe der Population. Anfangs war ich etwas skeptisch gegenüber diesen Fallen. Aber wenn man bedenkt, dass ein Falter über 100 Eier ablegt, dann ist der Nutzen schnell ersichtlich. Da die Raupe überwintert und sich erst Falter entwickeln müssen, lohnt es sich, die Fallen frühestens im Mai aufzuhängen.

Schritt 2: regelmäßiges Schneiden

Auch der regelmäßige Schnitt trägt einen entscheidenden Schritt zur erfolgreichen Bekämpfung bei. Denn damit entfernst du nicht nur die Raupe, sondern auch hunderte abgelegte Eier. Wie du in meinem Ratgeber „Buchsbaum richtig schneiden“ erfahren hast, kannst du einen Grobschnitt im März vornehmen. Schneide unbedingt nach dem Austrieb Ende April/Anfang Mai nochmal. Hier entfernst du nämlich ordentlich Blattmasse und somit auch viele Raupen und Eier. Achte darauf, dass das Schnittgut nicht auf deinem Kompost landet. Am besten verbrennst du es oder packst es in einen Sack oder eine Tüte.

Schritt 3: Stärkung der Pflanze

Ein gesunder, gut versorgter Buchsbaum wird die Zünslerplage viel besser überstehen als ein schlecht versorgter. Außerdem kann er sich nach einem Befall viel besser und schneller regenerieren. Ich empfehle dir, deine Buchsbäume Ende März einmal mit mineralischem Dünger zu düngen. Noch effektiver erweist sich die Blattdüngung. Hier gelangen die Nähr- und Stärkungsstoffe viel schneller in den Kreislauf der Pflanze. Den Dünger bringst du mit der Spritze aus, wenn du auch das Bakterium und Neemöl aufbringst. So kannst du dir einen Arbeitsschritt sparen. Je nachdem, welchen Flüssigdünger du verwendest, kannst du das auch einmal pro Monat wiederholen. Beachte dazu die Angaben auf der Verpackung.

Weitere Möglichkeiten der Bekämpfung

Wenn du sowieso ab und zu mit dem Gießen beschäftigt bist, dann halte einmal mit einem harten Strahl Wasser in deine Buchsbäume. Das können die Raupen gar nicht leiden. Teilweise werden sie herausfallen. Wenn du nur ein paar kleine Kugeln hast, kannst du diese auch für ein paar Stunden in eine Tüte einpacken. Mache das aber nicht bei Temperaturen über 28 Grad, sonst können deine Buchsbäume verbrennen. Du wirst sehen, dass viele Raupen die Flucht ergreifen werden, weil es im Inneren der Tüte sehr heiß wird. Andere werden die Hitze erst gar nicht überleben.

Algenkalk und Gesteinsmehl

Persönlich würde ich auf Algenkalk oder Gesteinsmehl verzichten. Sie werden oft als Wundermittel angepriesen. Eine zufriedenstellende Wirkung konnte ich bei Verwendung allerdings nicht feststellen. Spare also lieber das Geld, denn wenn du dich an die drei oben genannten Schritte hältst, brauchst du kein Geld mehr für weitere Bekämpfungsmöglichkeiten in die Hand zu nehmen.

Zusammenfassung

Um die Zünslerproblematik in den Griff zu bekommen, ist ein wachsames Beobachten das A und O. Unter Verwendung biologischer Mittel wie Xentari und Neemöl, kombiniert mit einem regelmäßigen Schnitt und dem Düngen der Pflanze, lässt sich das ganze Jahr über das Bild eines gesunden und schadenfreien Buchsbaumes erhalten. Natürlich musst du diese Pflegemaßnahmen jährlich durchführen, denn gänzlich ausrotten lässt sich der Zünsler nicht. Ich gehe davon aus, dass die Zünslerpopulationsgröße und der damit einhergehende Schaden bald rückläufig sein werden, denn unsere Buchsbaumvorkommen sind schon enorm geschrumpft, da viele Leute alle ihre Pflanzen entfernt haben. Die meisten Baumschulen und Gärtnereien verkaufen erst gar keine mehr. Weniger Angebot bedeutet also zwangsläufig auch weniger Zünsler, denn der Zünsler befällt eben nur den Buchsbaum.

Und nun wünsche ich dir Erfolg und Durchhaltevermögen im Kampf gegen den Zünsler. Du wirst es schaffen!

Hat dir mein Ratgeber zum Thema „Buchsbaumzünsler biologisch bekämpfen“ gefallen? Ich freue mich über deine Fragen und Anregungen – nutze dazu gerne die Kommentarfunktion.

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